Sicher kennst Du das auch. Du machst Pläne, setzt Dir Ziele und arbeitest konsequent daraufhin. Und dann kommt doch alles ganz anders. Wie geht es Dir dann damit? Hast Du ein schlechtes Gewissen, weil Du ein gesetztes Ziel nicht erreichst? Oder kannst Du eine Planänderung mit gutem Gefühl annehmen?

In diesem Artikel erzähle ich Dir, wie es mir in diesem Jahr mit meinen Plänen und Zielen ergangen ist.

 

Planänderung

 

Jahresziel 1: Der Rennsteiglauf

 

Vor einem Jahr war ich seit ein paar Monaten wieder richtig gut ins Lauftraining eingestiegen. Auch längere Läufe bis 32 km klappten super und ich habe jeden Lauf richtig genossen. So setzte ich mir für 2016 das Ziel, einen längeren Traillauf zu finishen. Da ich schon seit Jahren vom Rennsteiglauf geträumt hatte, sollte die Teilnahme mir endlich diesen Wunsch erfüllen.

 

Planänderung

 

Leider stellten sich auf das Frühjahr hin zunehmend Atemprobleme ein, die mich am Laufen hinderten. Da es mir sehr wichtig ist, auf meinen Körper zu hören und nicht einfach lästige Symptome zu unterdrücken, schaltete ich ein paar Gänge zurück. Joggen ging zwar nicht, dafür aber schnelles Walken. Um meinem nach wie vor vorhandenen Bewegungsdrang genüge zu tun, ging ich viel zum Wandern und eben Walken. So war ich trotzdem fast jeden Tag draußen und habe auch irgendwie trainiert.

Trotzdem fehlten mir jedoch die echten Laufeinheiten. Und so musste ich mir irgendwann die Frage stellen, wie es mit dem Rennsteiglauf werden soll. Die Anmeldung hatte ich schon noch etwas herausgezögert. Dadurch standen mir ohne “Verlust” alle Optionen offen. Die Entscheidung zwischen Durchziehen und Planänderung musste getroffen werden.

Kurzum, schweren Herzens fiel die Entscheidung für eine Planänderung und, den Rennsteiglauf weiter in die Zukunft zu verschieben. Von meinem großen Jahresziel habe ich mich somit im Frühjahr verabschiedet.

 

Jahresziel 2: München – Venedig

 

Doch dann habe ich weiterüberlegt, was ich stattdessen noch für eine besondere “Aktion” in diesem Jahr unternehmen könnte. Die Überlegung war, wenn ich nicht joggen aber wandern kann, dann soll es länger in die Berge gehen. Und da war doch noch etwas, was ich auch schon lange einmal machen wollte. Ja richtig, die Alpenüberquerung von München nach Venedig schlummerte ebenfalls seit Jahren in mir und wollte einmal angepackt werden. Vielleicht war dies nun genau der richtige Zeitpunkt. Denn ich konnte mir in diesem Jahr gut mal einen Monat Zeit nehmen, um die komplette Wanderung am Stück in Angriff zu nehmen.

 

Alpenüberquerung zu Fuss zum Markusplatz

 

Also war ein neues Ziel für dieses Jahr geboren. Die Ausrüstung hatte ich schon fast zusammen. Was fehlte, war rasch ergänzt. Der Führer mit den genauen Wegbeschreibungen stand schon seit Jahren in meinem Bücherregal. Übernachtungsmöglichkeiten waren schnell im Internet recherchiert. Ende Juni war ich bereit für dieses Abenteuer. Und ich freute mich sehr darauf, in der zweiten Julihälfte zu starten, wenn auch an den heiklen Stellen der Schnee soweit weggeschmolzen ist.

Doch dann kam wieder alles ganz anders.

 

Noch eine Planänderung

 

Anfang Juli trat ein Mensch in mein Leben, der mir sehr viel bedeutet. Schnell wurde es mir wichtig, möglichst viel Zeit gemeinsam zu verbringen. Auf einmal konnte ich mir nicht mehr vorstellen, einen Monat alleine mit Rucksack über die Berge zu ziehen.

Zunächst habe ich noch versucht, durch die Verschiebung meiner Wanderung um ein paar Wochen, beides zufriedenstellend hinzubekommen. Aber es fühlte sich für mich einfach nicht mehr stimmig an, die geplante Alpenüberquerung alleine anzutreten.

Andererseits durfte ich in dieser Zeit auch sportlich andere schöne Dinge erleben, die mir früher viel Freude gemacht haben und zu denen ich in den letzten Jahren keine Gelegenheit mehr hatte. So bin ich wieder zum Kajakfahren gekommen und feierte dabei meine Premiere auf Wildwasser. Solche gemeinsamen Erlebnisse hatte ich Jahre vermisst und sie haben dadurch einen sehr hohen Wert für mich bekommen.

Im August fiel deshalb die Entscheidung für die zweite große Planänderung in diesem Jahr:

Keine Wanderung alleine von München nach Venedig. Stattdessen immer wieder schöne Kurzzeiterlebnisse zu zweit, wenn es zeitlich geht.

 

Bin ich nicht mehr zielorientiert genug?

 

Natürlich habe ich mich dabei intensiv der Frage gestellt, ob ich nicht mehr “hart” genug bin, um meine Ziele durchzuziehen. Vor noch nicht allzu langer Zeit hätte ich Geplantes auf alle Fälle zuende gebracht, ohne auf meine veränderten Bedürfnisse zu hören. Wahrscheinlich hätte ich das nur deshalb getan, damit mir niemand vorwerfen kann, dass ich nicht dran bleibe an meinen Zielen und nicht zielorientiert genug bin.

Doch wer hätte etwas davon gehabt, wenn ich gegen mein Gefühl auf die Wanderung gegangen wäre? Richtig genießen  hätte ich sie wohl nicht können. Und ist es wirklich wichtig, was andere Menschen über meine persönlichen Entscheidungen denken?

Für mich ist das nicht mehr von Bedeutung. Meine Entscheidungen müssen sich für mich richtig anfühlen. Dann habe ich auch bei einer Planänderung ein gutes Gefühl.

Zudem ist es ja so, dass Pläne immer aus bestimmten Gegebenheiten heraus entstehen. Gerade bei Jahresplänen kann es sein, dass sich diese Gegebenheiten im Jahresverlauf entscheidend verändern. Und ich finde, dass es dann wichtig ist, flexibel reagieren zu können. Ein stures Durchziehen von Plänen macht in der Regel gar keinen Sinn.

 

Neues Jahr mit neuen Zielen

 

Bald beginnt schon wieder ein neues Jahr und es ist Zeit für neue Ziele. Da jetzt schon klar ist, dass in meinem Leben privat wie beruflich große Veränderungen anstehen, bin ich im Moment sehr zurückhaltend mit sehr großen sportlichen Zielen. Einiges muss sich zuerst wieder neu einsortieren.

Wichtig ist es mir vor allem, wieder regelmässig zu laufen, viel in der Natur zu sein und dies genießen zu können. Gerade nachdem ich in diesem Jahr über längere Zeiten erlebt habe, dass das reibungslose Funktionieren meines Körpers gar nicht so selbstverständlich ist, bin ich wieder sehr dankbar auch für ganz kleine Dinge. So werde ich mich langsam wieder herantasten und, ohne mich selber unter Druck zu setzen, einfach sehen, wie es weiter geht. Und wer weiss, vielleicht kristallisiert sich im Laufe des Jahres dann doch noch ein neues größeres Lauf-Ziel heraus.

Ich sehe dem sehr entspannt entgegen und freue mich auf den Start in ein sicher sehr ereignisreiches Jahr 2017, dass bestimmt einiges an Überraschendem für mich bereit hält. Ganz sicher wird es auch wieder die eine oder andere Planänderung geben. Dies dann aber immer mit einem guten Bauchgefühl!

 

Planänderung

 

 

 

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