Rhythmen in der Natur

 

Kennst du auch die Tage, an denen alles wie von alleine gut zu laufen scheint? Im Training hast du endlos Energie und möchtest am liebsten gleich einen neuen Streckenrekord laufen und auch sonst gelingt einfach alles. Selbst kleine Ernährungssünden steckt dein Körper gut weg und er schenkt dir trotzdem eine hohe Leistungsfähigkeit.

 

Genau so kommen aber immer wieder die Tage, wo überhaupt nichts klappen will. Du hast dich exakt an Trainings- und Ernährungsplan gehalten und dir auch genügend Ruhepausen gegönnt. Gestern warst du noch überzeugt, dass du genau auf dem richtigen Weg bist, da es super lief. Aber heute bist du einfach schlapp und es fühlt sich an, als wenn du trainingsmässig noch ganz am Anfang stehst. Plötzlich ist nicht mehr spürbar, dass du in den letzten Wochen sorgfältig deine Leistungsfähigkeit aufgebaut und schon einen respektablen Trainingszustand erreicht hast.

 

Wie kommt es zu diesen Schwankungen? Und vor allem wie können wir damit umgehen und uns so Frustrationen ersparen?

 

Rhythmen in der Natur

 

Die Natur macht uns vor, dass das Leben verschiedenen Rhythmen unterliegt. Wir kennen z.B. den Tag-Nacht-Rhythmus, den Rhythmus der Gezeiten mit Ebbe und Flut und die Jahreszeiten. Am Beispiel der Jahreszeiten wird es besonders deutlich, dass sich Aktivität und Ruhe abwechseln müssen. Wir Menschen als Teil der Natur tragen diese Rhythmen auch in uns.

 

In diesem Jahr konnten wir einen wunderschönen Sommer erleben und die Natur hat uns mit ihrer Üppigkeit verwöhnt. Mich hat es immer nach draussen zu verschiedenen sportlichen Aktivitäten gezogen. Bei traumhaftem Sommerwetter konnte ich fast nicht in der Wohnung bleiben. Ich musste einfach hinaus. 

 

Jetzt im Herbst zieht sich die Natur langsam immer mehr zurück. Inzwischen haben die Bäume ihre Blätter weitgehend abgeworfen. Die Tage sind kürzer und es wird schon früh dunkel. Alles scheint sich auf Ruhe einzustellen. Auch ich bin nun wieder sehr gerne zuhause und mache es mir dort gemütlich. 

 

Der Mondzyklus

 

Ein anderer Rhythmus ist der Mondzyklus. Innerhalb von knapp 30 Tagen verändert sich der Mond vom Neumond über den zunehmenden Mond zum Vollmond und über den abnehmenden Mond wieder zum Neumond. Vor allem die Zeit um den Vollmond wird von sensiblen Menschen mitunter deutlich wahrgenommen, z.B. durch einen unruhigeren Schlaf oder ein Spannungsgefühl.

 

Tag-Nacht-Rhythmus mit Hochs und Tiefs

 

Physiologische ArbeitskurveDer tägliche Wechsel zwischen Tag und Nacht und damit Hell- und Dunkelphasen prägt den Stoffwechsel und teilt den Tag in Aktivitäts- und Ruhezeiten. Die Zeit der höchsten Leistungsfähigkeit liegt am Vormittag. Am Mittag bis zum frühen Nachmittag fällt die Leistungskurve ab. Das ist also die ideale Zeit für den Mittagsschlaf oder eine Siesta. Eine zweite gute Leistungsphase folgt dann am Nachmittag, bevor sich der Körper am Abend auf die Ruhezeit über Nacht einstellt. 

 

Der individuelle Biorhythmus

 

BiorhythmusJeder Mensch hat auch einen ganz individuellen Biorhythmus, der sich aus einem körperlichen, einem emotionalen und einem geistigen Rhythmus zusammensetzt und mit dem Zeitpunkt der Geburt beginnt. Diese drei Rhythmen haben unterschiedliche Längen. Ein kompletter Zyklus des körperlichen Rhythmus dauert 23 Tage, der des emotionalen Rhythmus 28 Tage und des geistigen Rhythmus 33 Tage. Dadurch verlaufen die drei Rhythmen nicht parallel, sondern jeder Tag bringt eine neue Mischung. Für alle drei Bereiche gibt es optimale und kritische Tage. Es können sich auch manchmal die optimalen oder kritischen Tage von zwei oder allen drei Bereichen treffen. Eine Berechnung deines persönlichen Biorhythmus erhältst du hier.

 

Der weibliche Zyklus

 

Wir Frauen haben noch einen besonderen biologischen Rhythmus. Viele Frauen nehmen die Tage um ihre Periode als Zeit einer geringeren Leistungsfähigkeit wahr. Unser Körper ist dann mit anderen biologischen Abläufen beschäftigt und hat dadurch etwas weniger Energie für zusätzliche Leistungen übrig.

 

Der Trainingsalltag mit den verschiedenen Rhythmen

 

Es wirken also einige verschiedene Rhythmen auf uns ein. Daher ist es nicht verwunderlich, dass wir uns nicht jeden Tag gleich fühlen. Je nachdem wie sich diese Rhythmen gerade gegenseitig ergänzen, verstärken oder ausgleichen, kann es Tage mit sehr hoher Leistungsfähigkeit oder eben die Tage, an denen alles viel schwerer geht, geben. 

 

Bei der Trainingsgestaltung können wir den Zeiten mit geringerer Leistungsfähigkeit nur zum Teil ausweichen. Jede Läuferin und jeder Läufer kann relativ schnell herausfinden, wann am Tag für sie oder ihn die beste Zeit zum Laufen ist. Wenn es die beruflichen und privaten Gegebenheiten zulassen, kann man sein Training darauf ausrichten.

 

Wir können unsere Trainingsgestaltung auch dem Jahreszeitenrhythmus anpassen. Die Natur macht uns vor, was wir in jeder Jahreszeit brauchen und was jeweils für unseren Körper das Beste ist. Wie das geht, darauf möchte ich ausführlicher in einem anderen Artikel eingehen.

 

Manchen Rhythmen kann man dagegen nicht aus dem Weg gehen. Mit dem Wissen um die Schwankungen fällt es jedoch leichter, einen „schlechteren“ Tag so zu akzeptieren und dann vielleicht besonders liebevoll mit dem eigenen Körper umzugehen. Ein Extra-Ruhetag oder, wenn es sich einrichten lässt, sogar ein „Wellness-Tag“ kann dann genau das Richtige sein. Dies unterstützt den Körper in seinen natürlichen Rhythmen und hilft ihm, bald in eine neue Leistungsphase hineinzukommen. Und dann heisst es wieder, die Tage mit scheinbar endloser Energie zu geniessen.

 

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